Sebastian Isepp - Biografie
 
Der Künstler beim Restaurieren, um 1925

1884
Sebastian Isepp wird am 18. Februar 1884 als drittes von fünf Kindern in Nötsch in Kärnten geboren. Seine Eltern, Sebastian und Ursula Isepp (geb. Jost) führen in dem kleinen Gailtaler Ort das Dorfgasthaus "Zum Dobratsch".
1890
Wie seine Geschwister Maria, Christine, Hubert und Paula besucht auch Sebastian Isepp die Volksschule in Nötsch.
1895 - 1903
Ab 1895 Besuch der Realschule in Marburg (Maribor), wo seine Tante Franziska Rassinger lebt, die den Neffen bei sich aufnimmt. 1903 Matura mit Auszeichnung.
Im Herbst 1903 Aufnahmsprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Beginn des Studiums bei dem Secessionisten Professor Rudolf Bacher (1862 – 1945). In seiner Freizeit besucht Isepp den „Wiener Alpenclub“, wo er den Techniker Franz Xaver Kleinwächter kennen lernt und schließlich in Öl porträtiert (WVSI 1).
1904 - 1906
Der junge Künstler erhält ein Stipendium in Form einer Schulgeldbefreiung für seine Ausbildung an der Akademie. Aus seinen Studienjahren sind eine Reihe von Porträt- und Aktzeichnungen sowie einige Tierstudien, wahrscheinlich im Schönbrunner Tiergarten gefertigt, erhalten geblieben.
Die Ferien verbringt Sebastian Isepp immer wieder in Nötsch bei seiner Familie. Bei einem dieser Besuche zeichnet sein um drei Jahre jüngerer Freund Franz Wiegele (1887 -1944) ein Porträt des Malers in Kohle, das sich heute in Privatbesitz befindet.
1907
In diesem Jahr stirbt Isepps Vater. Aufgrund darauf folgender Familienzwistigkeiten und der Inflation wird die finanzielle Situation für den jungen Künstler immer prekärer. Wiederum hilft die Tante Franziska Rassinger über die schwierige Zeit hinweg.
Aus Nötsch kommt nun auch Isepps Freund Wiegele nach Wien, um gleichfalls an der Akademie der bildenden Künste zu studieren. Er trifft dort auf den aus Neutitschein in Mähren stammenden Anton Kolig (1886 – 1950), der zeitgleich von der Kunstgewerbeschule zur Akademie wechselt und sein Studium der Malerei beginnt.
Isepp selbst verlässt 1907 die Akademie. Auf dieses Jahr dürfte auch seine Freundschaft zu Oskar Kokoschka (1886 – 1980), die bis zu Isepps Tod Bestand hatte, zurückgehen.
1908
Im Frühjahr nimmt Isepp mit den beiden Bildern “Erlen im Rauhfrost“ (WVSI 20) und “Der Mühlgang“ (WVSI 22) erstmals an einer Ausstellung der Wiener Secession teil.
Um ein Lungenleiden auszukurieren, bricht er im Juni von Hamburg mit der R.P.D. „Prinzregent“ der Deutschen-Ost-Afrika-Linie zu einer Reise nach Mozambique auf.
1909 - 1910
Sebastian Isepp wird neben Albin Egger-Lienz (1868 – 1926) als ordentliches Mitglied in die Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession aufgenommen. In der Frühjahrsausstellung der Secession ist Isepp mit den Werken “Der stille Wald“ (WVSI 21), “Frühlingsbaum“ (WVSI 25), eine “Studie“ (WVSI 28), und “Frühling“ (WVSI 29) vertreten. Auch an der XXXVI. Ausstellung der Wiener Secession im Jahr 1910 nimmt Isepp mit drei Bildern teil.
1911 - 1914
Im Februar 1911 ist Isepp bei der für die österreichische Kunst der Moderne richtungweisenden „Sonderausstellung für Malerei und Plastik“ des Hagenbundes mit insgesamt 29 Ölbildern vertreten.
1912 beteiligt er sich an der „Großen Kunstausstellung“ im Städtischen Ausstellungspalast in Dresden und an der XLI. Ausstellung der Wiener Secession.
1913 nimmt er an XLIV. Ausstellung der Wiener Secession und an der „Großen Kunstausstellung“ im Düsseldorfer Kunstpalast teil.
1914 erfolgt eine Ausstellungsbeteiligung bei der „Seconda Esposizione Internazionale d’Arte della Sezessione“ im Palazzo dell’Esposizioni in Rom.
1915
Isepp meldet sich als Einjährig Freiwilliger zum Landsturm Infanterieregiment Nr. 4 und wird im Juni trotz ursprünglicher Untauglichkeit zum Waffendienst zugelassen.
1916 - 1918
Im Frühjahr 1916 wird Isepp an die italienische Südwestfront entsandt, nimmt in der Folge an mehreren Isonzoschlachten teil und kämpft 1917/18 auf den Karnischen Alpen im oberen Gailtal. 1918 ist er als Zugs- und Kompaniekommandant beim k.u.k. Landsturm Infanteriebataillion Nr. 156 im Einsatz und erhält Auszeichnungen wie das Militärverdienstkreuz III. Klasse und das Karl-Truppen-Kreuz. Im Zuge der Kriegshandlungen wird Isepp vermutlich lebensgefährlich verschüttet.
1918
Nach Kriegsende kehrt Isepp nach Nötsch zurück und widmet sich gemeinsam mit seinem Bruder Hubert (1889 – 1953) der Restaurierung gotischer Figuren und alter Lauten. Zu dieser Zeit verfügt er bereits über eine Wohnung in der Stanislausgasse 4 im III. Wiener Gemeindebezirk, wohin er 1921 seinen Hauptwohnsitz verlegt.
1920
Gemeinsam mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal und dessen Familie reist Isepp nach Vicenza, Verona, Mailand, Genua und Rapallo. Den Sommer verbringt er in Altaussee und Salzburg.
1921
Isepp organisiert gemeinsam mit Anton Kolig und Franz Wiegele eine Geburtstagsausstellung zu Ehren von Carl Moll (1861 – 1945), die im Oktober 1921 im Künstlerhaus Wien stattfindet. In dieses Jahr fällt auch die letzte dokumentierte Ausstellungsbeteiligung Isepps zu seinen Lebzeiten. Er ist beim „Sonderbund deutsch-österreichischer Künstler“ in der Kunsthalle Bern vertreten.
1924
Reise nach Paris mit Oskar Kokoschka und Adolf Loos.
1925
Heirat mit der Sängerin Helene Hammerschlag (1899 - 1968), der Tochter des Wiener Bankdirektors Dr. Paul Hammerschlag. Ihr Großvater mütterlicherseits war Joseph Breuer, ein enger Mitarbeiter und Förderer von Sigmund Freud. Im Mai begleitet das Paar neuerlich die Familie Hofmannsthal auf einer Reise nach Italien.
Isepp beginnt unter dem Kustos Johannes Wilde seine Tätigkeit am Kunsthistorischen Museum in Wien als freiberuflicher Restaurator alter Meister.
1927
Geburt der Tochter Konstanze.

1928
Isepp erhält eine Fixanstellung als Restaurator am Kunsthistorischen Museum Wien
1929
Die letzte gemeinsame Reise mit Hugo von Hofmannsthal führt Isepp neuerlich nach Italien, wo sie Chiusi, Montepulciano, Parma, Verona und Ravenna besuchen.
1930
Geburt des Sohnes Martin.
1936
Isepp wird Leiter der Restaurierwerkstätte am Kunsthistorischen Museum. Der Kunsthistoriker Johannes Wilde empfiehlt ihn seinem Freund Antoine Graf Seilern als Restaurator für seine Sammlung von Alten Meistern.
1938
Isepp emigriert im September mit seiner Familie nach England. Bereits im Oktober erhält er die Erlaubnis als Restaurator in England tätig zu sein. Bereits im Juli sind Gerhart Frankl (1901 – 1965) und seine Gattin Christine, die Nichte Isepps, nach London ausgewandert, das Ehepaar Kokoschka folgt im Oktober.
1939
Im April verlassen auch Johannes Wilde mit seiner Gattin und Antoine Graf Seilern Österreich und kommen ebenfalls nach England. Isepp und Wilde kümmern sich um die Sammlung von Graf Seilern und die Gemälde der National Gallery, die wegen des Krieges nach Aberystwyth ausgelagert sind.
1940
Isepp lebt mit seiner Familie in Shrewsbury. Im Juni wird er als potentieller, ausländischer Feind interniert und im Huyton Aliens Camp in der Nähe von Liverpool festgehalten. Sir Kenneth Clark, Direktor der National Gallery in London, erreicht auf Bitten von Helene Isepp schon nach kurzer Zeit seine Freilassung. Isepp kann seiner Arbeit in Wales wieder nachgehen.
1942
Die Familie Isepp beschließt, nach Oxford zu übersiedeln, wo bereits einige ihrer langjährigen Freunde wie Emmy und Egon Wellesz und Gerty von Hofmannsthal wohnen. Leonie Gombrich, die Mutter von Sir Ernst Gombrich, unterrichtet Isepps Sohn Martin im Klavierspiel. Auf Vermittlung seines Freundes Sir Karl Parker, der als Kurator am Ashmolean Museum tätig war, tritt er dort eine Stelle als Restaurator an.
1945
Übersiedlung nach London, wo Isepp auch für die Royal Collection tätig ist.
1947
Im selben Jahr wie Oskar Kokoschka nimmt Isepp die britische Staatsbürgerschaft an.
1951
Kokoschka malt ein Porträt seines Freundes Sebastian Isepp, das sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet. Gemeinsam mit dem Ehepaar Kokoschka besucht Isepp Salzburg. Es handelt sich dabei um seinen einzigen Aufenthalt in Österreich seit der Emigration.
1954
Sebastian Isepp stirbt am 3. Dezember in London