Franz Wiegele - Biografie
 
Der Künstler um 1940

1887
Franz Wiegele wird am 23. Februar 1887 als drittes von vier Kindern des Ehepaares Gertrud (1855–1944) und Franz Wiegele sen. (1858–1912) in Nötsch im Gailtal geboren. Der Vater ist Maschinenschlosser und betreibt in Nötsch eine Schmiede.
1897 – 1905
Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alfred (1892–1979) besucht er die Unterstufe der Mittelschule in Triest. 1900 wechselt Franz Wiegele an die Realschule in Klagenfurt, wo er sich vor allem für den Zeichenunterricht nach Vorlagen begeistert. 1905 schließt er die Realschule mit Matura ab.
1907 – 1911
Nach einem Arbeitsjahr in der väterlichen Schmiede beginnt Franz Wiegele 1907 auf Anraten seines Nötscher Freundes Sebastian Isepp (1884–1954) das Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er besucht zuerst die Allgemeine Malerschule bei Professor Christian Griepenkerl (1839–1912), danach die Spezialschule für Malerei unter Professor Heinrich Lefler (1863–1919) und Professor Rudolf Bacher (1862–1945). Während seiner Studienzeit erhält Wiegele ein Staatsstipendium und 1909 wird ihm der Dessauer-Preis zuerkannt. An der Akademie lernt er auch den jungen Anton Kolig (1886–1950) aus Neutitschein kennen, mit dem er sich rasch anfreundet. Als sich jedoch Unzufriedenheit über den akademischen Lehrbetrieb bemerkbar macht, beteiligt sich Franz Wiegele am 17. Juni 1909 unter der Führung von Egon Schiele (1890–1918) an der Gründung der „Neukunstgruppe“. Im Dezember desselben Jahres findet die erste Ausstellung dieser Formierung in der Wiener Galerie Pisko am Schwarzenbergplatz statt. Im Februar 1911 nimmt Franz Wiegele mit dem Bild „Akte im Wald“ und neun Zeichnungen an der bahnbrechenden „Sonderausstellung für Malerei und Plastik“ in den Räumen des Wiener Hagenbundes teil.
1912
In diesem Jahr stirbt Wiegeles Vater und sein Bruder Alfred übernimmt die Schlosserei und Werkstatt in Nötsch. Im Herbst begibt sich Franz Wiegele zusammen mit Anton Kolig und dessen Familie nach Paris. Der Frankreichaufenthalt wird durch ein Reisestipendium der Kathi-Fröhlich-Stiftung und privater Mäzene möglich, das die beiden Künstler durch Carl Moll und Gustav Klimt vermittelt bekamen. Sein Werk „Akte im Wald“ nimmt Wiegele dorthin mit.
1913
Studienreise nach Holland und in den Elsaß, wo Wiegele u. a. Matthias Grünewalds Isenheimer-Altar in Colmar besichtigt. Zusammen mit Kolig und seiner Familie Aufenthalt in Ambleteuse bei Boulogne-sur-Mer (Artois). Seine Mutter Gertrud kommt kurzzeitig auf Besuch.
1914
Wiegele reist von Frankreich nach Nordafrika, wo er von Tlemcen (Algerien) Ausflüge in die Umgebung unternimmt. Expedition in die Wüstenstadt Figuig im Südosten von Marokko in Begleitung des deutschen Malers Max Burchartz und dessen Gattin Gertrud. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wird Wiegele in Algerien von den Franzosen festgenommen und in einem Lager in Sebdou bei Tlemcen zum Arbeitsdienst eingeteilt.
1916
Nach einer schweren Lungenerkrankung wird Wiegele in ein Internierungslager auf der Insel St. Marguérite bei Cannes überstellt. Dem österreichischen Gesandten in Zürich gelingt es schließlich den Künstler als Austauschgefangenen in das Sanatorium Lenzerheide bei Chur in die Schweiz verlegen zu lassen.
1917 – 1925
In diesen Jahren hält sich Wiegele überwiegend in der Schweiz auf. Er besitzt in Zürich ein Atelier, wo er hauptsächlich Porträts und Stilleben malt. Zu seinen Förderern und Freunden zählen vor allem die Unternehmerfamilien Georg und Oskar Reinhart und Ferdinand Leistner-Reutemann, der Jurist Gottfried Stiefel und dessen Schwester Lise Rioult, der Komponist Othmar Schoeck, die Maler Ernst Morgenthal und Karl Hofer sowie der Bildhauer Hermann Haller, der Schriftsteller Hermann Hesse und die Tänzerin Luise Zodel. Auch sein Kontakt zu Hugo von Hofmannsthal, den er bereits während seiner Wiener Studienzeit geknüpft hatte, lebt in der Schweiz wieder auf. 1925 kehrt Wiegele schließlich aus der Schweiz nach Nötsch zurück. Sein Bruder Alfred hatte ein Jahr zuvor die familieneigene Villa, die zwischenzeitlich verkauft werden mußte, zurückerworben.
1926
Den Geschwistern Maria und Bohdan Herzmansky, Kinder des k. u. k. Generals Otto Herzmansky gelingt die Wiederauffindung von Wiegeles Bild „Akte im Wald“, das der Künstler vor Antritt seiner Nordafrika-Reise 1914 in seinem Pariser Atelier zurückgelassen hatte. Es wird nach Wien geschickt, wo es von der Österreichischen Galerie Belvedere erworben wird. Die Bundesforste stellen Franz Wiegele im Kesselwald bei Vorderberg eine Jagdhütte zur Verfügung, die er sich als Atelier einrichtet. Neben der Malerei übt Wiegele leidenschaftlich die Jagd aus. Beginn seiner Bildhauerarbeiten wie beispielsweise die Porträtbüsten seiner Mutter, Gustav Mahlers und Carl Molls.
1929
Wiegele erhält das Angebot einer Professur an der Wiener Akademie, das er jedoch ablehnt.
1932 – 1934
1932 reist Wiegele zusammen mit dem Kunsthistoriker und Landeskonservator von Kärnten Otto Demus und Luise Guthmann nach Venedig, Padua und Florenz. Alfred Wiegele, der sich in Nötsch eine Kleinmühle errichten konnte, finanziert den Bau eines Wohnhauses mit Atelier für seinen Bruder Franz und adaptiert ein ehemaliges Lagerhaus für die Familie Kolig nahe der eigenen Familienvilla. Er wird in der Folge der wichtigste Mäzen Wiegeles. Es entsteht das Familienbild Alfred Wiegele "Die glückliche Familie". In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Freundschaft zu Otto Zernatto, dem Bruder des Staatssekretärs und Dichters Guido Zernatto, der ihm zu einem bevorzugten Jagdfreund wird.
1935
Wiegele gibt sein Wiener Atelier in der Porzellangasse 33 endgültig auf. Neben der Malerei widmet er sich mit Begeisterung seinem Rosengarten und der Rosenzucht. Reise nach Venedig mit Anton und Thaddäus Kolig.
1937
Verleihung des Professorentitels
Ein schweres Augenleiden beginnt den Künstler in seinem Schaffen einzuschränken und droht seine Sehkraft gänzlich zu rauben.
1938
Durch eine Therapie des Lienzer Augenfacharztes Dr. Adolf Purtscher kann Wiegele seine Sehkraft wiedererlangen.
1944
Am 17. Dezember 1944 treffen Fliegerbomben das Wohn- und Atelierhaus Franz Wiegeles, wobei der Künstler gemeinsam mit seiner Mutter Gertrud, seiner Schwester Hedwig Fina (1883–1944) und deren Ziehtochter Maria Kassin (1927–1944) den Tod findet.